Spaziergang an der Franz Josefs Bahn

Vorgestern wurde der Ostösterreichische Dauernebel für gut 1 ½ Tage unterbrochen. Eine gute Gelegenheit an der FJB nach dem Rechten zu sehen. Fährt diese doch rund 750 Meter von meinem Domizil entfernt.

Zu den Dingen die mir meine Medizinfrauen und Medizinmänner verordnet haben, gehören auch ausgedehnte Spaziergänge. Regelmäßige Leser meiner Elaborate wissen, dass dies für mich keine allzu unangenehme Aufgabe ist. Meist bin ich mit jenem Sohn unterwegs, dessen Beeinträchtigung meine Aufmerksamkeit erfordert. Dafür liebt er ausgedehnte Wanderungen.

Mein Eisenbahnaffiner Sohn hingegen steht körperlicher Bewegung höchst skeptisch gegenüber. Unter dem Titel „Train spotting“ war er jedoch gestern dazu zu bewegen das traute Heim zu verlassen. Waren doch drei Starzüge innerhalb kurzer Zeit zu erwarten. Leider (für den jungen Eisenbahnfreund) genießt bei uns die Schulbildung Priorität und es war daher eher knapp ob der Zug 21238 (eine S40) erreicht werden konnte oder eben nicht. Kurz und gut: 21238 war pünktlich und wir hatten auf 200 Meter Entfernung Sichtkontakt. Damit schied Greifenstein als Fotostandpunkt aus. Und es wurde für den ersten gewünschten Zug verdammt knapp.

Guter Rat war teuer, klar war nur das der 21330 (eine R40) als Alternative herhalten musste. Zur Wahl standen: Kritzendorf (netter Bahnhof aber keine Streckenaufnahmen am Nachmittag), Höflein (geht sich die Fotostelle nach Ankunft des Zuges aus?) oder St. Andrä Wördern (eine relativ sichere Variante, erster zug am Bahnhof, zweiter am BÜ, dritter auf freier Strecke). Wir wählten die dritte Variante.

Erfreulich war, das uns der blaue 4020 288 transportierte, weniger erfraulich war, ein Foto ging sich nicht aus. (Weidling ist nicht sonderlich fotogen, schon gar nicht am Nachmittag und St. Andrä-Wördern, Hausbahnsteig 1? Vergiss es!) Doch ich konnte den Junior beruhigen, wir würden ihn wieder sehen.

Bevor das eigentliche Objekt der Begierde kam, rauschte noch REX 2841 aus Krems/Donau durch den Bahnhof St. Andrä Wördern.

Und hier ist er: REX 324 nach Praha hl. n. So erfreulich die vielen Verbesserungen im Nahverkehr auch sind, es gibt 2026 genau so viele Verbindungen zwischen Praha hl.n. und Wien FJB wie 1986. Von Speisewagen, Schlafwagen und Direktverbindungen nach (Ost)Berlin rede ich gar nicht.

Nun war es Zeit Schusters Rappen zu satteln denn wir hatten eine gute halbe Stunde Zeit. Der Bahnübergang an der Nelkengasse liegt 20 Minuten Fußmarsch entfernt. Dort gibt es einen Art Balkon rund um den Schranken der zum Fotografieren und Verweilen einlädt Siehe hier auf Google Maps. Am Vormittag sind dort weitaus nettere Motive möglich, aber da sind die Junioren in der Schule und ich normalerweise in der Arbeit.

Und hier ist er: REX 2116 nach Gmünd NÖ mit einem ehemaligen IC-Park. Neben den Prag Zügen wohl das Luxuriöseste was die FJB zur Zeit zu bieten hat.

Nun gaben wir den Eichhörnchen die Sporen und ritten in den Sonnenuntergang. Denn einen Termin hatten wir noch und dazu mussten wir nach Zeiselmauer. Hier ist ein neuer Weg errichtet worden, glich neben der B14 am Ortseingang, der interessante Fotomöglichkeiten bietet. Da wir aber nun einen größeren Zeitpuffer hatten, ging sich auch ein Getränk aus dem Discounter am Weg aus.

Eigentlich hasse ich den Zug: Seit Jahren entfällt – Montag bis Freitag mitten in der Hauptverkehrszeit – um 16:12 der Halt des 21244 (einer S40) im ohnehin nicht von zahlreichen Halten gesegneten Bahnhof Nußdorf in Wien. Eine Taktlücke in einem an sich sauberen Halbstundentakt mitten in der HVZ wegen eines Schachtelexpress, ärgerlich das da keine andere Lösung gefunden wird. Heute war es ein Vorteil, denn durch den beschriebenen Umstand sind mir die Fahrzeiten geläufig. Weniger schön der „Schlonz“, welcher die schwachen Sonnenstrahlen abwürgte.

Nun waren es nur noch ein paar Schritte zur Haltestelle Zeiselmauer, dennoch war zwar keine Eile jedoch wohl zügige Schritte angesagt. Denn der nächste Halbstundentakt rückte näher und aus Richtung St. Andrä mussten wir die Haltestelle umrunden um zum Bahnsteig Richtung Wien uns somit Richtung Heimat zu gelangen.

Im allerletzten Licht erschien nun wie erwartet unser sehr geschätzter 4020 288, nunmehr auf der S40 unterwegs in die bei weitem nicht so geschätzte Bezirkshauptstadt. Was blieb unfotografiert? So einiges und manches fotografierte erspare ich Euch. Vectrons machten sich eher rar, dafür gab es 1144 und 4020 satt. Vor allem letztere werden wohl bald verschwinden, denn man hört die Zulassung der 4736 von Stadler steht bevor und dann kommen mit einem Schlag rund 30 Doppelstocktriebwagen in den Betrieb. Die werden wir wohl kaum auf der FjB sehen, aber den Letzten fressen bekanntlich die Hunde und das werden wohl unsere 4020 sein. Ersetzt von irgendwelchen 4024 oder 4746 die anderswo frei werden.

Aus Fahrgastsicht keine schlechte Nachricht, weder die Kletterei in das Fahrzeug (Ja mit einem gehbehinderten Sohn sieht man manches anders.) noch die unbequemen Sitze werde ich vermissen. Mein Flugzeugfaffiner Sohn, der täglich nach Tulln pendelt, wird im Winter die ungeschlagene Heizleistung vermissen, aber sonst? Trotzdem, sie begleiten mich hier an der FJB fast mein ganzes Leben und ein wenig Sentimentalität sei mir gestattet, auch wenn sie zwischen den 4030.3 und den 4024 den absoluten Tiefpunkt in Sachen Komfort erreichten.

Genug gewinselt, mit einem 4024 ging es nach Hause. Knapp 5 Kilometer Fußmarsch haben uns einige schöne Fotos und ein paar schöne Vater/Sohn Momente gebracht!

Liebe Grüße
Werner